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  • [Die Konzertdirektion R. Schönfelder ...]
  • Die Konzertdirektion R. Schönfelder erwidert auf den Bericht der Dresdner Kaufmannschaft über den Dadaisten-Abend, den wir am Donnerstag auch zum Abdruck brachten, folgendes: "Veranstalter des Abends war das 'Dadaistische Zentralamt, Berlin'. Die Konzertdirektion R. Schönfelder hatte lediglich die geschäftlichen Angelegenheiten, die sich aus dem Arrangement ergeben, auszuführen. Auf Grund von Berichten führender Berliner Zeitungen über dieselben Abende in Berlin waren keine Bedenken gegeben, das Arrangement der Veranstaltung in Dresden zu übernehmen. Es war auch nicht vorauszusehen, daß das Publikum sein Mißfallen über die Darbietungen in Tätlichkeiten äußern würde, zumal in anderen Städten, wie Berlin und Zürich, die Veranstaltung der Dadaisten stets anstandslos vor sich ging. Es handelte sich auch im vorliegenden Falle nicht etwa um eine spontane oppositionelle Kundgebung des Publikums, sondern um eine planmäßge Hetze, die von einer Sprengkolonne aus politischem Grunde inszeniert wurde. Die Konzertdirektion R. Schönfelder erwartete von dem Abend dasselbe, wie die große Mehrheit des intellektuellen Publikums: Den Sieg jugendfrischen Künstlertums über die Herrschaft des Spießers, eine Philosophie der geistigen Überlegenheit. Die Konzertdirektion R. Schönfelder muß also die Verantwortung für die bedauerlichen Vorgänge an jenem Abend ablehnen."
  • Daß es sich bei dem gezeigten "Mißfallen" um eine Hetze aus politischen Gründen gehandelt habe, muß doch sehr bezweifelt werden. Man will sogar bemerkt haben, daß die ersten Mißfallskundgebungen von Anhängern der Dadaisten ausgingen, um den Kontakt zwischen Bühne und Publikum herzustellen. Doch die Geister, die man damit rief, wurde man nicht mehr los. Sehr entschieden aber muß dagegen protestiert werden, wenn die Konzertdirektion Schönfelder, die nur das geschäftliche Arrangement übernehmen wollte, nun parteiisch wird und die kühne Behauptung aufstellt, das intellektuelle Publikum habe den "Sieg jugendfrischen Künstlertums" - also dieses kläglichen Schunds von kindisch-blödsinnigen Darbietungen! - über die Herrschaft des Spießers erwartet - und damit eine Philosophie geistiger Überlegenheit!! Diese Äußerung spricht Bände!! Ein zweiter, für den 29. Jan. angesetzter Abend ist übrigens abgesagt worden.
  • TEXT CREDITS
    'Die Konzertdirektion R. Schönfelder', Dresdner Lokal-Anzeiger January 24, 1920. Reprinted in Karin Füllner, Dada Berlin in Zeitungen. Gedächtnisfeiern und Skandale. Veröffentlichungen des Forschungsschwerpunkt MuK 43 (Forschungsschwerpunkt MuK an der Universität - Gesamthochschule Siegen : Siegen 1986) 51.
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  • IMAGE CREDITS
    banner: (detail) Raoul Hausmann, 'Mechanischer Kopf' (Der Geist unserer Zeit), 1918 [Collection Centre Georges Pompidou, Paris].
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