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  • Dadaismus
  • "Dadaismus" nennt sich die jüngste Kunstrichtung, mit der die Öffentlichkeit unter großem Spektakel im dichtgefüllten Saal der Berliner Sezession bekanntgemacht wurde. Der Dadaismus lehnt sämtliche neueren Kunstbewegungen ab; er will alle Lebenserscheinungen, das vielfache Durcheinander van Geräuschen, Farben, Bewegungen in starken, einfachen Worten wiedergeben. Das Wort "Dada" soll die lnternationalität der Richtung andeuten. Im Publikum war wenig Neigung für die neue Kunst zu spüren, man nahm das Ganze als eine lächerliche Angelegenheit auf. Herr Richard Huelsenbeck, der mutig den Uneingeweihten das dadaistische Prinzip auseinandersetzte, konnte sich nur mit Mühe Gehör verschaffen. Es war ein Lärmen und Lachen ohne Ende. Später wurden von dem begabten George Grosz Gedichte vorgetragen. Else Hadwiger las Verse, die den meisten unverständlich blieben; die 'Beschießung' von Marinetti begleitete Herr Huelsenbeck mit Knarr- und Trommelgerauschen - das ging dann auch den Geduldigsten auf die Nerven. Der Widerspruch machte sich, ganz im Stil des Abends, in kräftigen Naturlauten geltend, und der letzte Vortragende konnte nicht mehr zum Wort kommen.
  • TEXT CREDITS
    Anonymous, 'Dadaismus', in Berliner Lokal-Anzeiger 14 April 1918. Reprinted in Karin Füllner, Dada Berlin in Zeitungen. Gedächtnisfeiern und Skandale. Veröffentlichungen des Forschungsschwerpunkt MuK 43 (Forschungsschwerpunkt MuK an der Universität - Gesamthochschule Siegen : Siegen 1986) 25.
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  • IMAGE CREDITS
    banner: (detail) Raoul Hausmann, 'Mechanischer Kopf' (Der Geist unserer Zeit), 1918 [Collection Centre Georges Pompidou, Paris].
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