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banner: (detail) Raoul Hausmann, 'Mechanischer Kopf' (Der Geist unserer Zeit), 1918 [Collection Centre Georges Pompidou, Paris]
raoul hausmann
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- Ne militärische Streife bei ’nem Linksradikalen tritt immer wie ein erfrischender Gewitterregen auf. Ein Blitz, ein Knall – und das Vaterland ist wieder mal von einem Verbrecher befreit.
- So war’s auch mit dem Kapitänleutnant Paasche. Der vaterländische Funke erglomm in einem Soldatenherzen und da dieses Herz positiv, aufbauend gesinnt war, so sprang der Funke über auf Paasche den negativen, zerstörenden und raffte ihn dahin. Der Mann hatte sicher Waffen versteckt, denn er las eine Menge Bücher. Ein anständiger Mensch, der Deutschland liebt, liest keine Bücher. Der weiß, was er zu tun hat, der haut nur mal mit der Faust der Ordnung auf den Tisch, und darum Proletarier! wahrt die Solidarität der Ordnung und der Arbeit. Ihr wollt doch, daß Deutschland durch Euren Fleiß wieder zum alten Glanze zurückkehrt. Dazu ist es nötig, daß ihr endlich einseht, die Generale Watter, Lüttwitz und der Oberst Bauer müssen das nötige Vertrauen zu Euch fassen können. Proletarier! Männer, die in der Badehose getroffen werden, wenn man sie sucht, sind stets verdächtig, sich an linksradikalen Umtrieben beteiligt zu haben. Arbeiter! um der Solidarität der pommerschen Landwirte, um Euer Ruhe willen musste Paasche erschossen werden! Denn er hatte auf jeden Fall mit Waffen zu landesverräterischen Zwecken zu tun. Warum saß er nicht an seinem Schreibtisch hinter dem Hauptbuch, sondern trieb sich aller Sittlichkeit zuwider in der Badehose im Wasser herum? Er wies auch nach seinem Tode ’ne Schusswunde im Rücken auf – also wurde er flüchtend getroffen und da mußte er erschossen werden! Oder aber er hat sich selbst von hinten erschossen, weil man ihm auf sein verräterisches Gewerbe kam. Eine militärische Streife tritt immer plötzlich forsch wie ein Gewitter auf, und das schlechte Gewissen des Paasche hat ihn sicher zum Selbstmord getrieben!
- Proletarier! die Militärs wissen, was Euch not tut. Arbeiter! seid ruhig! das Vaterland wird gerettet werden allen Paasches zum Trotz! Wozu haben wir unsere Listen – doch nur um unter Euren Rädelsführern aufzuräumen. Proletarier! Ihr fühlt Euch ja immer von Euren Bonzen verlassen: Wir wollen Euch den Gefallen tun und Euch von diesen Bürgerlumpen befreien.
- So wie der Paasche sich selbst von hinten eine Kugel ins Herz jagte, genau wie damals Dorrenbach, der plötzlich vor einem Kruzifix Gewissensbisse kriegte, so wollen wir durch kleine Überraschungen alle Eure Führer, die ja nur in englischem und russischem Solde stehen, zum Selbstmord bringen. Ihr müsst einsehen, daß die Militärs immer recht gehabt haben. Hätte Levi nicht die Front von hinten erdolcht, dann hätte Ludendorff einen herrlichen Sieg über die ganze Welt errungen.
- Arbeiter! laßt Euch gesagt sein: Mit Gott für König und Vaterland! – Oder Ihr sollt mal in Berlin zu Zehntausenden Selbstmord begehen! Vielleicht wendet dann das Berliner Tageblatt später ein, daß nicht alles ganz gesetzmäßig vor sich gegangen sei. Aber wenn einem Patrioten das Herz überläuft, kann er eben nicht sanft zufassen, nicht wahr? Und diese herrliche Gesinnung wird uns retten. Proletarier, tretet ein für die Ordnung der Lüttwitz, Bauer und Watter!
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- Source:
'Paasche beging Selbstmord'. Reprinted in 12 politische Satiren (Berlin 1921); reprinted by Anabas Verlag, Giessen 1992; also in Texte bis 1933. Band I, 139-140.
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